Aufruf

Gedenkveranstaltung

zur Pogromnacht

Montag, 9. November 2015 ab 16:30 Uhr

am Platz der Cannstatter Synagoge

in der König‐Karl‐Straße 45/47

ÖPNV: 3 Minuten von der S­Bahn­Haltestelle „Bahnhof Bad Cannstatt“ oder

von der Stadtbahnhaltestelle „Wilhelmsplatz“ in Cannstatt.

RednerInnen:

  • Rainer Redies , Cannstatter Stolpersteininitiative
  • Gerhard Dürr , Zeitzeuge, aktiv in der Flüchtlingsarbeit
  • VertreterIn des Antifaschistischen Aktionsbündnisses Stuttgart
  • Kulturbeiträge: Freier Chor Stuttgart, Marianne Schmidt­Hangstörfer

Veranstaltet vom Bündnis zum Gedenken an die Progromnacht in Bad Cannstatt


 

70 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus ­ Gedenken an die Opfer
Am 9. November 1938 brannten in ganz Deutschland Synagogen, angezündet nicht von einem wütenden Mob, sondern ­ wie in Stuttgart ­ von der Feuerwehr, organisiert, vorbe­reitet und angestiftet von Partei, Regierung und Behörden des faschistischen Staates.Am nächsten Tag wurden jüdische Geschäfte geplündert, zehntausende jüdische Men­schen gejagt, in KZs verschleppt und über 100 ermordet.

Die Pogromnacht in Cannstatt
Auch die Synagoge in Cannstatt wurde in dieser Nacht angezündet. Die Geschwister Jo­sef und Jette Buxbaum, die in Cannstatt eine Metzgerei betrieben, gehörten zu den Opfern des faschistischen Po­groms. Eine Frau berich­tet: „Ich war zufällig Au­genzeuge, als Anhänger der SA in Uniform mit Spitzhacken die Fenster des Metzgerladens zer­trümmerten am 8./9. No­vember 38. Es war grau­sam! Danach waren bei­de Buxbaums verschol­len.“ Sie trauten sich nicht mehr auf die Stra­ße, wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert und später im Vernich­tungslager Treblinka um­gebracht.

Die Gewalt erreichte einen neuen Höhepunkt
Das Pogrom war Teil der Vorbereitung und der Einstimmung der Bevölkerung auf den Er­oberungs­ und Vernichtungskrieg, in dessen Verlauf auch die planmäßige Ermordung der jüdischen Bevölkerung Europas erfolgte.
Auf den November 38 folgte die Zerschlagung der Tschechoslowakei im März 39 und der Überfall auf Polen am 1. September. Am Ende des gigantischen Raub­ und Eroberungs­feldzuges standen Auschwitz und 60 Millionen Tote.

Rassismus damals …
Der deutsche Faschismus der 30er und 40er Jahre fiel nicht vom Himmel. Auf Betreiben entscheidender Teile der Großindustrie, der Banken und der Generalität ernannte am 30. Januar 1933 Reichspräsident Hindenburg Hitler zum Reichskanzler. Die Faschisten ver­sprachen die Wiederherstellung der militärischen Schlagfähigkeit und die Eroberung von Rohstoffquellen und Märkten. Als Voraussetzung hierfür sicherten sie die Zerschlagung der Arbeiterbewegung zu. Damals wie heute fallen Rassismus und Antisemitismus dort auf fruchtbaren Boden, wo die soziale Not groß ist und Existenzängste bestehen. Dies nutzten die Faschisten aus, um von den wirklichen Verursachern der Wirtschaftskrise abzulenken und um die Mehrheit der Bevölkerung hinter den Wirtschaftsinteressen der Herrschenden zu versammeln.
Darüber hinaus hatte die Shoah eine wirtschaftliche Komponente. Mit dem Raub jüdischen Vermögens konnte der Staat einen Teil seines Rüstungsprogramms finanzieren und soge­nannte „arische“ Kapitalbesitzer rissen sich jüdische Besitztümer unter den Nagel. Unter dem Stichwort „Vernichtung durch Arbeit“ wurden Millionen JüdInnen und viele andere Häftlinge zu ZwangsarbeiterInnen vor allem der Rüstungsindustrie und mussten am Ende mit ihrem Leben dafür bezahlen. So manche heute noch existierende Unternehmen haben in dieser Zeit ihren Reichtum angehäuft. Millionen von Menschen versuchten, dem Terror des Faschismus zu entkommen, waren auf Asyl angewiesen und verdanken ihr Leben den Aufnahmeländern.

… und Rassismus heute ­ Die Ursachen müssen beseitigt werden!
Aktuell befinden sich mit 60 Millionen weltweit so viele Menschen wie noch nie seit dem Ende des 2. Weltkrieges auf der Flucht. Sie fliehen vor Terror, vor rassistischer Verfolgung, Krieg sowie vor wirtschaftlicher Not. Fluchtgründe sind vielfach von den Staaten des Wes­tens verursacht, darunter die Kriege, die auch mit deutschen Waffen und unter Beteiligung der NATO­Staaten geführt wer­den, um z.B. den Zugriff auf Rohstoffe oder Handelswege zu sichern. Oder auch EU­Agrarsubventionen, mit denen die Landwirtschaft in Afrika niederkonkurriert wurde.
Die betroffenen Menschen fliehen, um zu überleben, um für sich und ihre Familien eine Perspektive zu bekommen. Doch Europa schottet sich mit Zäunen und der „Grenzschutzagentur“ Frontex ab, alleine 2500 Menschen sind bereits dieses Jahr im Mittelmeer ertrunken. Anstatt den Flüchtlingen angemessen zu helfen, wie das viele Menschen von sich aus tun, re­den Politik und Medien häufig von „Asyl­missbrauch“, „Flüchtlingswellen“ und „Wirtschaftsflüchtlingen“ und erste Son­derlager für Flüchtlinge aus dem Balkan werden eingerichtet. Es wird unterschie­den zwischen denen, die von der Wirt­schaft als Arbeitskräfte gebraucht wer­den, und denen, die möglichst schnellabgeschoben werden sollen.
Die Botschaft kommt an. Immer häufiger brennen Flüchtlingsunterkünfte in Ost und West. Auch im Umkreis von Stuttgart gab es im Juli und August 2015 zwei Brandanschläge in Remchingen im Enzkreis und in Weissach im Tal sowie ein versuchter Brandanschlag in Balingen. Sichere Einreisemöglichkeiten und eine menschenwürdige dezentrale Unterbrin­gung stehen auf der Tagesordnung! Letztendlich kann es aber nur eine Lösung geben: Die Fluchtursachen müssen beseitigt werden!

Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!
Es gilt weiterhin die Losung der Gefangenen des KZ Buchenwald, die sich selbst befreien konnten: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Auf­bau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Unsere Forderungen:

  • Jeglichem Antisemitismus entgegentreten!
  • Rassisten und Faschisten stoppen – NPD verbieten!
  • Rassismus und Faschismus den Nährboden entziehen – gegen Sozialabbau und Arbeitsplatzvernichtung!
  • Grenzen öffnen ­ Auflösung der Frontex­Grenzschutzagentur und Aufkündigung des Dublin­Übereinkommens (Rückführung in Erst­aufnahmeländer)!
  • Sichere Einreise für Flüchtlinge gewährleisten!
  • Bedingungsloses Bleiberecht für alle Flüchtlinge ­ Dezentrale hu­mane Unterbringung aller Flüchtlinge!
  • Stopp aller Kriegseinsätze der Bundeswehr!
  • Sofortiges Verbot aller Rüstungsexporte!
  • Aktives Eintreten gegen Krieg und Kriegsvorbereitung überall!

Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!

UnterstützerInnen:

Antifaschistisches Aktionsbündnis Stuttgart (AABS); Antifaschistische Aktion (Aufbau)
Stuttgart; „Arbeit Zukunft“ Stuttgart; Cannstatter gegen Stuttgart 21; DIDF Stuttgart
(Föderation demokratischer Arbeitervereine), DIE LINKE Stuttgart; DIE LINKE OV Bad Cannstatt; DKP (Deutsche Kommunistische Partei) Stuttgart; Freundschaftsgesellschaft BRD­Kuba Regionalgruppe Stuttgart; GRÜNE JUGEND Stuttgart; Initiative Lern­ und Gedenkort Hotel Silber e. V.; Linksjugend [`solid] Stuttgart; Piratenpartei Deutschland,Kreisverband Stuttgart; SÖS ­ Stuttgart Ökologisch Sozial; ver.di Bezirk Stuttgart; SDAJ (Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend) Baden ­Württemberg; VVN­BdA: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten; Verein Zukunftswerkstatt e.V.,Zuffenhausen; Waldheim Gaisburg; Waldheim Stuttgart e.V. / Clara Zetkin Haus;Zukunftsforum Stuttgarter Gewerkschaften

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